Auf sein Leben angesprochen kam kurz und zackig, wie nicht anders gewohnt, die nachfolgende Kurzgeschichte eines reichen, nicht immer einfachen, aber erfüllten Lebens zum Vorschein:
„1943 in Berlin geboren, dort aufgewachsen; ein Großstadtkind, ein Kriegskind mit Nachkriegskindheit, Schule, Abitur und dann nichts als weg, weg von zu Hause.
Erste Schritte im Ausland, dann zum Militär, Berufssoldat, herumziehen, wieder Ausland, nirgendwo zu Hause und schließlich Landung in Bayern.
Festkrallen, Wurzeln setzen, nicht mehr weg wollen - zu Hause (?) - endlich zu Hause ? ...
Ein unruhiger Geist bin ich geblieben, in der Welt zu Hause, doch nunmehr in München daheim.
Nach vierzig Jahren Dienstzeit als Soldat, seit 2001 im (Un-)Ruhestand.“
Und was brachte Dich zum Strafvollzug und zur LAG?
„Die Ortskirchengemeinde veröffentlichte eine Suchanzeige der Straffälligenhilfe der Inneren Mission München, die „neue“ ehrenamtliche Mitarbeiter suchte.“
Gesucht: Menschen guten Willens.
Menschen, die Nächstenliebe leben und praktiziert, auch und gerade gegenüber Menschen, die im Gefängnis sind.
„So fing es damals, 1989, an und ich wurde gefangen! Obwohl in der Gemeinde engagiert, ließ mich der Pfarrer ziehen, um es mal zu „versuchen", und war mich los.“
Das war also der Start in die Straffälligenhilfe?
„Ja, ich hatte mich, wie schon gesagt, gemeldet und begann ehrenamtlich in der Straffälligenhilfe der Inneren Mission München mitzuarbeiten. Mir wurden die ersten Gefangenen aus der JVA Bernau zugeordnet und startete meine
„Betreuerlaufbahn“. Ganz nebenbei, in Bernau betreue ich trotz anderer Aufgaben auch noch heute.
Heißt das, dass noch weitere Aufgaben auf Dich zugekommen sind?
Im Jahre 2002 wurde ich mit der Leitung der Straffälligenhilfe der Inneren Mission München beauftragt. So kam zu meinen Betreuungen, es waren zwischenzeitlich einige mehr geworden, eine ganz neue Aufgabe dazu. Ich führe die Münchner Gruppe der Ehrenamtlichen (IM), die sich einmal pro Monat zum Erfahrungsaustausch und zur Durchsprache neuer Betreuungsfälle trifft, und biete Monat für Monat nach festem Terminkalender sogenannte Sprechtage der Evangelischen Straffälligenhilfe München in den Justizvollzugsanstalten Bernau, Landsberg/Lech und Rothenfeld und Niederschönenfeld an.
Dann bliebe nur noch der Schritt zur LAG offen!
Das ergab sich eigentlich zwangsläufig. Irgendwo, irgendwann begegnete mir im bayerischen Betreuungsbeziehungsgeflecht der Name bzw. das Kürzel „LAG".
Meine Neugier war geweckt.
Fühler ausgestreckt, reingeschnuppert, mitgemacht, dabei geblieben, mitgestaltet. Mitgestalten, das ist es, was mich auch gereizt hat, in der Vorstandschaft mitzuwirken.
Eigentlich ist fast alles gesagt?
Ja und nein! Ich möchte noch einmal auf unser gemeinsames Anliegen zurückkommen.
Mein „Glaubensbekenntnis" habe ich schon oft abgelegt und immer wieder auf die Frage geantwortet: warum denn ausgerechnet ins Gefängnis?
Ich will nichts unnötig komplizieren, aber im für mich persönlich richtigen Moment lebten mir andere Mitmenschen ehrenamtliches Engagement vor und ließen mich begreifen, dass Nächstenliebe nicht nur Worte, sondern praktisches Handeln beinhaltet.
Selbst Pragmatiker, öffnete sich dadurch für mich eine neue Perspektive des Denkens, Fühlens und des Handelns.
Inwieweit sich Erfolge messen lassen, sollen die beurteilen, denen ich versucht habe, ein zuverlässiger, berechenbarer Begleiter während und nach ihrer Haftzeit zu sein.
Ich glaube jedoch fest und unverrückbar daran, dass es sich lohnt, auch den Strafgefangenen unsere Hand zu reichen, um somit eine Brücke zu schlagen, die es ermöglicht, sie trotz aller Ausgrenzung durch die Gesellschaft als Mit-Menschen anzunehmen und ihnen ein mitmenschliches Leben anzubieten.
„Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein" (Joh. 8,7)
...ich gehe sie besuchen und werde sie weiterbegleiten, so lange der Herrgott mir die Kraft dazu schenkt.
Das hoffen wir mit Dir, auch wegen der Gefangenen, die Menschen wie Dich dringend brauchen.
Danke für dieses Gespräch.
15 Jahre Engagement
Herzlichen Glückwunsch
Peter Möller
für 15 Jahre ehrenamtliches Engagement in der der Straffälligenhilfe.